Dies ist unsere neue Homepage. Viele Informationen finden Sie noch unter oekumene.net/netzwerk0.html. Bitte rufen Sie auch diese Seite auf.
"Wegbereiter der Einheit oder Leidtragende der Spaltung?"
Beitrag von Beate und Jörg Beyer für das Podium "Konfessionsverbindende Ehen und Familien als Hauskirche"
"Warum sind sie eigentlich noch katholisch?" So wird eine Frau gefragt, die seit vielen Jahren den Ökumenekreis leitet und mit Ihrem evangelischen Mann auch in der evangelischen Jugendarbeit mitarbeitet.
"Wir möchten auch keine Mitesser!" Das hört die katholische Frau vom neuen Pfarrer, als sie die Hostie zum Teilen mit in die Bank nimmt. Ihr Mann war nach vielen Jahren bei der Eucharistie plötzlich nicht mehr willkommen.
"Warum gehst Du nur jeden zweiten Sonntag zum Gottesdienst?" So wird ein Mann aus einer Freikirche gefragt, obwohl die Gemeinde weiß, dass er mit seiner Frau in den katholischen Gottesdienst geht.
"Und jetzt müssen wir Sie noch richtig trauen." Das sagt ein orthodoxer Priester zu seinem Gemeindemitglied, nachdem vorher mit seiner Beteiligung eine gemeinsame Trauung in der evangelischen Kirche stattgefunden hatte.
Betroffene Paare erleben es zu oft: Angst und Besitzstandswahrung führen zur Demütigung durch die Konfessionen.
Es regiert die Angst der Kirchenleitungen vor dem Machtverlust.
Es regiert die Angst der Theologen vor der Relativierung ihrer Prinzipien, die doch so oft letztlich nur Rollenspiele sind.
Es regiert die Angst der Gemeinden vor dem Ungewohnten.
So bleiben Bekenntnis und Glaubenszeugnis ebenso auf der Strecke wie eine Kirche, die lebendiger Leib Christi ist - und nicht nur Institution.
Doch wir durften es auch anderes erleben, ganz persönlich.
"Jörg, willst Du nicht einmal bei uns predigen?" So fragt mich ein orthodoxer Priester, obwohl ich noch nicht einmal das Theologiestudium abgeschlossen hatte.
"Wann predigen Sie wieder bei uns?" So werde ich in einem streng evangelischen Dorf gefragt, nachdem ich wegen einer kurzfristigen Erkrankung meines Mannes einen kompletten evangelischen Gottesdienst als Notfallvertretung gehalten hatte.
"Ich konnte Sie doch nicht vom Altar in die Reihe schicken, wo Sie in unserer Liturgie so zuhause sind." So winkt mich nach einer Gastpredigt ein katholischer Pfarrer an den Altar, um mich in beiderlei Gestalt kommunizieren zu lassen"Christus verbindet uns!" Das bekannten dieselben Mitglieder einer Freikirche auf einer Skifreizeit, die mich bei der Vorstellungsrunde als Katholikin wie ein Wesen von einem anderen Stern angeschaut hatte
Alles Situationen, die sich aus unserer konfessionsverbindenden Ehe ergaben. Und die Erfahrung: Wo Christus die Mitte ist, da kann Einheit wachsen und sichtbare Wirklichkeit werden. Da wird erlebbar, dass Leben, Tod und Auferstehung von Jesus Christus für uns alle gilt.
Doch zur Zeit wächst nach den Erfahrungen von Netzwerk Ökumene eher die Zahl der schmerzhaften Erfahrungen, insbesondere bei der Ehe-Scheidung am Tisch des Herrn und durch die ökumenische Ignoranz, die zunehmend das Machtkalkül der Institutionen zu bestimmen scheint.
So sehen wir uns als Wegbereiter der Einheit und Leidtragende der Spaltung zugleich. Es gibt kaum andere Christen, die einen so hohen Preis dafür zahlen müssen, dass die Konfessionen nicht dem Auftrag von Jesus Christus zur Einheit folgen.
Wir möchten abschließend eine Frage des Gründers von Taizé Frère Roger Schuetz aus dem Jahr 1958 aufgreifen:
"Viele Christen sind sich darin einig, dass man immer inständiger um das Geschenk der Einheit beten muss. Tatsächlich ist das Gebet der erste Weg, der uns allen offensteht. Aber dieses Gebet muss in Taten münden. Würden wir es sonst nicht einfach zu einer Zuflucht machen, in die wir uns aus einer schmerzlichen Wirklichkeit zurückziehen, damit wir alles vermeiden können, was uns etwas kosten würde?"
In diesem Sinn erwarten wir gespannt die Taten von Kirchenleitungen, Theologen und Gemeinden.
(Schriftlicher Beitrag, die in der Diskussion gegebenen Beiträge weichen teilweise stark von dieser schriftlichen Fassung ab.)