Jahrestagung 2014: "Immer Ärger mit der Ökumene ..."

Aus allen Teilen der Bundesrepublik reisten die 45 Teilnehmer (33 Erwachsene und 12 Kinder bzw. Jugendliche) Mitte Februar in die Begegnungs-und Bildungsstätte Haus Höhenblick nach Braunsfeld bei Wetzlar zur Jahrestagung an. Viele altbekannte Gesichter waren darunter, aber auch in diesem Jahr nahmen einige konfessionsverbindende Paare bzw. Familien zum ersten Mal daran teil. Dem Begrüßungsabend am Freitag mit der ausführlichen Vorstellungsrunde kam daher wieder eine wichtige Funktion für das gegenseitige Kennenlernen zu.
Neben mehreren Vertretern der örtlichen Kirchengemeinden nahm auch Bischof Dr. h.c. Frank Otfried July - einer der beiden Referenten der Tagung - an diesem Abend teil und bekam so die Gelegenheit, die vielfältigen Erfahrungen konfessionsverbindender Paare aus erster Hand zu hören.

Passend zum Tagungsthema "Immer Ärger mit der Ökumene - von den Nöten der Kirchenleitungen" waren für Samstag zwei Bischöfe als Referenten eingeladen - krankheitsbedingt musste der katholische Bischof von Speyer, Dr. Karl-Heinz Wiesenmann aber kurzfristig absagen. Für ihn sprang der Ökumenereferent des Bistums, Dr. Thomas Stubenrauch ein und hielt den Vortrag aus katholischer Perspektive. Er zeichnete im ersten Schritt die sich verändernde Wahrnehmung konfessionsverschiedener Paare durch die katholische Kirche nach. Wurden diese Eheschließungen noch vor 60 Jahren - damals unter dem Begriff "Mischehe" - als Gefahr gesehen und abgelehnt, sei daraus in den letzten Jahrzehnten eine Akzeptanz und eine echte Sympathie ("Mit-Leiden") entstanden. Entsprechend richte sich das Interesse der Kirchnleitungen nicht mehr darauf, solche Ehen möglichst zu verhindern, sondern dazu beizutragen, dass sie glücken. Dr. Stubenrauch (auf dem Foto rechts) verschieg dabei aber nicht die ungelösten theologischen und kirchenrechtlichen Probleme und bezeichnete die Zulassung evangelischer Ehepartner zur Eucharistie als "Stachel im Fleisch" - ungeachtet von Möglichkeiten im Einzelfall sei eine allgemeine Zulassung derzeit nicht absehbar.

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Der württembergische Landesbischof July (auf dem Foto links) begann seinen Vortrag mit der Schilderung persönlicher ökumenischer Erfahrungen seit seiner Kindheit und skizzierte seine Wahrnehmung der heutigen Ökumene anhand dreier Eindrücke: Ökumene ist freundlicher Umgang miteinander; Ökumene ist mehr Beziehung als Theologie, Ökumene ist ein Kooperationsnetzwerk. Bezüglich des schwierigen Themas der Abendmahls-/ Eucharistiegemeinschaft brachte er - inspiriert aus dem Emmausevangelium - einen neuen Gedanken ins Spiel: Eucharistiegemeinschaft müsse nicht zwingend als Schlusspunkt eines Weges zur Einheit gesehen werden. Ähnlich wie Jesus den Jüngern in Emmaus durch das gemeinsame Mahl die Augen geöffnet und sie so gestärkt auf den Weg geschickt hat, könnte man die Mahlgemeinschaft als Wegzehrung des pilgernden Gottesvolkes auf dem Weg zur Einheit nutzen.

In der sich anschließenden Diskussion wurden viele der Vortragsaspekte aufgegriffen, aber auch neue Gedanken eingebracht. Deutlich wurde durch mehrere Beiträge, dass nicht immer nur 'oben' das Problem der Ökumene liege: Neben vielen ökumenisch offenen und engagierten Christen an der Basis gibt es auch viele, denen Ökumene bestenfalls nicht wichtig und manchmal sogar ein Dorn im Auge ist.
Gerade die Gleichgültigkeit gegenüber ökumenischen Aktivitäten oder ihre Ablehnung ("Wir müssen uns auf uns selber konzentrieren statt auf die anderen Kirchen zu schauen") erschweren manchmal die Ökumene an der Basis. Die anstehenden vielfältigen Umstrukturierungen innerhalb der beiden Kirchen (Gemeindezusammenlegungen etc.) befördern oft diese Tendenz. Dr. Stubenrauch hob in einem Diskussionsbeitrag deshalb hervor, dass das Bistum dieser Gefahr begegnen möchte, indem innerhalb des derzeit erarbeiteten Konzepts zur Gemeindepastoral 2015 die Ökumene als Teil des 'Kerngeschäfts' definiert werde.

Der Samstagnachmittag stand im Zeichen verschiedener Workshops, in denen musikalisch, inhaltlich und planend das Tagungsthema vertieft wurde.
An einem der Workshops nahmen auch einige Jugendliche teil, die ansonsten - ebenso gut betreut wie die kleineren Kinder - das Wochenende mit einem eigenen Programm genossen. Die Jugendlichen brachten sich auch mit einem Anspiel in den Familiengottesdienst am Sonntagmorgen ein, mit dem die Tagung ihren feierlichen Abschluss fand.

Ein Bericht zur Tagung ist auch auf der Webseite des Bistums Speyer erschienen.

Weitere Informationen zum Ablauf des Wochenendes sind im Tagungsflyer zu finden.

 

Fotoimpressionen

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