2004: Kirche - welche Wege führen zur Einheit

Bericht über die Jahrestagung von Freitag, 6. – Sonntag, 8. Februar 2004

 

Thema: Kirche - welche Wege führen zur Einheit?

Teilnehmende: 39 Erwachsene (davon 3 Kirchenvertreter, 2 Referenten und die Kinderbetreuerin) und 20 Kinder. Drei Ehepaare mit 7 Kindern, die sich angemeldet hatten, mussten wegen Krankheit kurzfristig absagen.

Die Jahrestagung wurde vom Kirchenamt der Evangelischen Kirche in Deutschland gefördert. Dieser Zuschuss machte es möglich, die ursprünglich angesetzten Teilnahmegebühren fürdie Kinder erheblich zu senken.

 

Eindrücke

   

Freitag, 6. Februar

 

19:00 Uhr  Vorstellungsrunde (Moderation: Christoph Gaukel)

 

Begrüßung

- Die Kirchenvertreter (Superintendent Kunick, Wetzlar, Superintendent Rust, Braunfels und der Ökumenereferent des Bistums Limburg, M. Klaedtke) stellen sich vor.

- Kinder und Erwachsene nehmen jeweils aus der Mitte einen Stein und einen Zettel. Darauf schreiben sie ein Wort zu ihrer Situation. Im Raum ist ein Berg-steigerseil in Form der Landkarte von Deutschland ausgelegt. Alle legen den Stein und den Zettel an die Stelle auf dieser „Landkarte“, wo ihr Heimatort ist. Dann lesen die Kinder die Worte vor, die sie auf die Zettel geschrieben haben und er-klären, warum sie dieses Wort gewählt haben.

- Dann gehen die Kinder in den für sie vorgesehenen Raum und werden dort durch Frau Jung betreut.

- Die Erwachsenen stellen sich reihum vor und berichten über Ihre Erfahrungen als konfessionsverbindendes Ehepaar, wobei sie jeweils das Wort erläutern, das sie auf den gelben Zettel geschrieben haben.

 

21:00 Uhr  Abendandacht (Gabriele Gaukel)

Alle sind eingeladen, eines der vorbereiteten Teelichter an der Kerze in der Mitte zu entzünden, es auf den Boden zu legen, so dass ein Kreuz aus Lichtern entsteht, und eine kurze Fürbitte zu sprechen. Nach jeweils drei Fürbitten singen alle: „Oh Lord, hear my prayer....“

 

Samstag, 7. Februar

 

9:30 Uhr  Gemeinsames Singen und Morgenandacht mit den Kindern (Beate Beyer)

Anschließend Kinderbetreuung (Frau Jung )

 

10:00 Uhr  Referat Präses Kock (Einführung: Birgit Frohnhoff)

„Kirche - welche Wege führen zur Einheit“ aus evangelischer Sicht

 

1. Für das Erreichte danken.

Die Geschichte der ökumenischen Bewegung sei eine Erfolgsgeschichte. Die katholische Kirche habe beim Vatikanischen Konzil eine atemberaubende Wende vollzogen, die aber noch nicht ganz vollendet sei.

Aus seiner Familie erzählt Herr Kock, dass er eine katholische Großmutter hatte, die wegen ihrer evangelischen Heirat von den Sakramenten ausgeschlos-sen wurde. Erst im Alter von 60 Jahren durfte sie wieder an der Kommunion teilnehmen.

 

2. Rückschläge klar sehen.

Rückschläge seien „retardierende Momente“, die eine positive Wirkung haben können.

Beispiele für retardierende Momente:

- Die Enzyklika „Dominus Jesus“

- Die Schrift der EKD „Kirche im evangelischen Verständnis“

 

3. Die Voraussetzungen für die Einheit klären.

Zitiert wird Kardinal Walter Kasper: „Wir befinden uns in einer realen, tiefen, aber nicht vollkommenen Einheit“.

Im Zusammenhang mit der Frage der Anerkennung der Ämter haben nach evangelischer Auffassung die Ämterstrukturen nicht den gleichen Stellenwert wie die Sakramente.

 

4. Die Schritte innerhalb der jeweiligen Kirchengemeinschaft gehen.

Ausgehend von der Frage: „Was erleben wir von der anderen Seite als bereichernd?“

- Für die Evangelischen sei bereichernd die Art, wie in der katholischen Kirche die Sakramente gefeiert werden.

- Die Katholiken haben von der evangelischen Seite das Bibelverständnis gelernt (fast mehr, als die Evangelischen bewahrt haben).

 

5. Die Dynamik des Zukünftigen spüren.

Eine starke Kraft für die Zukunft seien die konfessionsverbindenden Ehen. Eine große ökumenische Herausforderung sei: Was bedeutet es, -dass diese Eheleute durch die Taufe und durch die Ehe sakramental verbunden sind?

Der ökumenische Kirchentag in Berlin sei ein Meilenstein der Ökumene!

In Bezug auf das Sakrament (Eucharistie, Abendmahl) gebe es keinen echten Dissens mehr.

Wichtige Aussage: „Wir sind nur evangelisch, wenn wir ökumenisch sind!“

 

Nach dem von allen als ausgezeichnet empfundenen Referat wurde entschieden, die im Programm vorgesehene Gruppenarbeit ausfallen zu lassen zugunsten einer ausführlichen Diskussion mit dem Referenten (der nur am Vormittag dabei sein konnte).

In der sehr lebhaften Diskussion ging es um folgende Fragen:

- Was bedeutet „versöhnte Verschiedenheit“?

- Was ist konstitutiv für die Kirche in Bezug auf das Abendmahl?

- Gibt es eine theologische Diskussion zum „Dienst an der Einheit“ (Papstamt)?

- Wie wird das Verhältnis zur Orthodoxen Kirche gesehen?

- Ökumene und ethische Fragen (z. B. Gentechnik)

 

Zum letztgenannten Punkt stellt Herr Kock fest: Wir können im Glauben eins sein und trotzdem verschiedene Meinungen haben.

Abschließend betonte er: „Wir brauchen eine „ökonomische Ökumene“, um mit unseren Kräften haushalten zu können.

 

14:30 Uhr  Besprechung des Leitungskreises mit den regionalen Ansprechpartnern(Moderation: Stephan Frohnhoff).

- Dabei wurden die 7 Leitsätze unseres Netzwerks noch einmal vorgestellt. Der Entwurf des neu gestalteten Faltblatts wurde verteilt und besprochen.

 

15:30 Uhr  Referat von Frau Prof. Dr. Dorothea Sattler (Einführung: Gudrun Steineck)

„Kirche - welche Wege führen zur Einheit“ aus katholischer Sicht

 

Frau Prof. Sattler ist Inhaberin des Lehrstuhls „Geschichte und Theologie der Kirchen“ an der Universität Münster.

Sie berichtete kurz, dass sie gerade von einer Sitzung der Ökumene-Kommission der Deutschen katholischen Bischofskonferenz komme. Dort sei das Thema der konfessionsverbindenden Ehen auf der Tagesordnung gestanden. Von Bischof Wanke (Erfurt) sei ein neuer Vorschlag eingebracht worden bezüglich der Zulas-sung nicht-katholischer Ehepartner zur Eucharistie.

 

Zu ihrem Referat verteilte Frau Prof. Sattler eine Tischvorlage mit der Gliederung ihres Referats, mit Gedichten von Silja Walter und Ingeborg Bachmann, sowie mehreren bildlichen Darstellungen.

 

- Das Referat gliederte sich in 3 Punkte:

 

1. Besinnung

- Besinnung auf das Wesentliche, auf die Lebensfragen als Weg der Ökumene. Wir brauchen eine Wende ins Existentielle!

- Besinnung auf die Mitte des Glaubens, auf die Erfahrung Gottes, auch wenn diese Erfahrung nicht in Worte gefasst werden kann. Wo Glaube im Alltag erfahren wird, da sei Kirche, Kirche im Kleinen, Kirche im Kern.

- Besinnung auf die Nöte um uns und vor uns.

 

2. Erinnerung

- Erinnerung an die Anfänge der christlichen Gemeinschaft: Für einander Zeugnis der Osterbotschaft geben ist der Anfang der Kirche.

- Erinnerung an die Grundgestalt: eine, heilige, katholische und apostolische Kirche. Eine: Bereichernde Vielfalt, die in Gemeinschaft erfahren wird. An den Lebensorten Möglichkeiten suchen, alle Formen kirchlicher Existenz an einem Ort zu leben (nicht verschiedene steinerne Kirchen neben-einander) Heilige: Alle Getauften, die Gotteserfahrung haben und an andere bezeugen, sind Heilige. Katholische: Dazu gehöre auch dass alle berufen sind, sich für die Bewahrung der Schöpfung einzusetzen. Apostolische: Im aposto-lischen Dienst der Verkündigung der Osterbot-schaft stehen nicht nur die Bischöfe, sondern alle Gläubigen.

Offene Fragen:

- Zielgestalt der kirchlichen Einheit?

- Funktionales oder personales Amt?

- Welche Gestalt des Aufsichtsamts erscheint gut begründet?

- Dienst des Bischofs von Rom: Brauchen wir ein sichtbares Zeichen der Einheit?

 

3. Ausschau

- Ausschau nach Antworten auf die oben gestellten Fragen

- Ausschau nach Mitlebenden, nach geistlicher Gemeinschaft

- Suche nach dem letzten Halt, Verdichtung der Ostererfahrung.

 

17:00 Uhr  Gruppenarbeit: Welche Zielvorstellungen haben wird?

Es wurden 4 Gruppen gebildet:

- Wie kommen wir zur Einheit - konkrete Schritte (Stephan Frohnhoff).

- Was empfehlen wir (Konflikte, Lösungen) (Birgit Frohnhoff und Gabriele Gaukel), dazu ein Blatt ausgefüllt: „Mögliche oekumenische Alternativen vor Ort“.

- Wege zur Einheit kreativ darstellen (Beate Beyer und Christoph Gaukel)

- Das Credo in der Musik mit Beispielen von Bach, Mozart, Bruckner, Cornelius Kodaly und Penderecki

 

19:00 Uhr  - Bericht über die Beteiligung des Netzwerks beim Ökumenischen Kirchentag in Berlin an Hand von Dias und Pläne für den Katholikentag in Ulm (Rosmarie Lauber)

- Bericht von der 2. Weltkonferenz konfessionsverbindender Familien in Rom und über die Kontakte zum Rat der katholischen Europäischen Bischofskonferenzen (CCEE) in St. Gallen und zur Konferenz Europäischer Kirchen (KEK) in Genf, ebenfalls mit Dias (Rudolf Lauber).

 

20:00 Uhr  Abendandacht (Gudrun Steineck)

 

Sonntag, 8. Februar

 

9:30 Uhr  Abendmahls-Gottesdienst (Pfarrer Dr. Hans-Georg Link, Predigt Jörg Beyer).

Dieser Gottesdienst war am Samstag Abend von einer Gruppe von Teilnehmern vorbereitet worden, die dann auch alle im Gottesdienst mitwirkten.

 

11:00 Uhr  Schlussgespräch (Moderation: Bertram Huber)

 

Rückblick:

- Übereinstimmend wurde das Wochenende als schön, Mut machend, gut organisiert bezeichnet. Als sehr erfreulich wurde die gute und herzliche Atmosphäre empfunden. Auch die Anwesenheit von Claire Malone-Lee aus England war bereichernd.

- Bedauert wurde, dass der Austausch untereinander in Gruppenarbeiten zu kurz kam, weil die Referate zu lang waren.

- Besonders gelobt wurde das hervorragend geeignete Tagungshaus, das sich auch für künftige Jahrestagungen anbietet.

 

Ausblick:

- Die Jahrestagung findet im nächsten Jahr statt am 18. – 20. Februar 2005 in Schorndorf bei Stuttgart. Die Bischöfe Fürst (Diözese Rottenburg-Stuttgart) und Maier (Evangelische Landeskirche von Württemberg) haben ihre Teilnahme zuge-sagt. Als Thema wird vorgeschlagen: „Konfessionsverbindende Familien und Kirchenleitungen: Was können wir erwarten, was dürfen wir hoffen?“

- Auch künftig sollen bei Jahrestagungen zwei Referate (von evangelischer und katholischer Seite) vorgesehen werden. Allerdings wird angeregt, beide Referate auf den Vormittag zu legen und den Nachmittag für Gruppensitzungen vor-zu-sehen.

 

Zur Auswertung der Eindrücke und Anregungen der Teilnehmer wurde von Bertram Huber ein Auswertebogen vereilt

 

Verfasser dieses Berichts: Rudolf und Rosmarie Lauber.