2005: Konfessionsverbindende Paare und Kirchenleitungen - was erwarten wir, was erhoffen wir voneinander?

Jahrestagung in Schorndorf mit Bischof Dr. Gebhard Fürst und Bischof Dr. Gerhard Maier

Was erwarten konfessionsverbindende Paare von den Kirchenleitungen? Vor allem erwarten sie, dass ihre spezielle Situation wahrgenommen wird. Aber auch die Kircheleitungen haben Erwartungen. Der Austausch über diese Frage stand im Mittelpunkt der Jahrestagung, die vom 18. bis zum 20. Februar 2005 in Schorndorf stattfand.

Im Rahmen der Tagung wurde ein "Brief an alle, die in der Kirche Verantwortung tragen" verabschiedet.

 

Eindrücke

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Stichwortartiges Ergebnisprotoll aus Schorndorf

 

Thema: Konfessionsverbindende Paare und Kirchenleitungen: Was erwarten wir, was erhoffen wir voneinander?

 

Teilnehmende: Etwa 40 Erwachsene und 15 Kinder, davon als Kirchenvertreter zeitweise Dekan Friedl (kath.), Dekan Junt (evang.), Kirchenrat Quack vom ev. Oberkirchenrat Stuttgart, sowie am Samstag und Sonntag Pfarrer Hermann Barth aus Weil der Stadt (trotz vorausgegangener Grippe!). Während der gesamten Tagung war Frank Waier, ein Journalist des Bayerischen Rundfunks dabei, der eine Sendung über unsere Jahrestagung bringen wird. Zeitweise war auch der für die Schorndorfer Nachrichten, das Württembergische Gemeindeblatt und das katholische Sonntagsblatt tätige Journalist Oliver Hillinger anwesend (sowie der Pressefotograf Habermann). Am Freitag abend kam der Gospelsänger B. Free dazu. Am Samstag Vormittag kamen als Referenten der Bischof der Diözese Rottenburg-Stuttgart Dr. Gebhard Fürst und der Bischof der Evangelischen Landeskirche Württembarg Dr. Gerhard Maier.

 

Freitag, 18. Februar

 

19:15 Uhr Vorstellungsrunde

Begrüßung durch Beate Beyer.

Die Kinder stellten sich vor. Dann gingen sie in den für sie vorgesehenen Raum, wo sie von Frau Marlis Kiunke betreut wurden.

Nicole Huber überbrückte die Zeit bis zur Ankunft von Gaukels mit einer Vorstellung des Leitungsteams..

Gabriele und Christoph Gaukel legten in die Mitte Bilder auf den Boden. Alle gingen dann schweigend um diese Bilder herum und wählten ein Bild aus.

Dann begann die eigentliche Vorstellungsrunde (Moderation: Gabriele und Christoph Gaukel). Jeder/Jede stellte sich an Hand des ausgewählten Bildes vor und legte dieses Bild dann in die Mitte.

 

21:30 Uhr Gospelgesang (Moderation: Nicole Huber)

 

Der Sänger B. Free sang mehrere von ihm komponierte Gospel-Lieder mit Begleitung am Klavier. Sein Motto: „Musik, die in die Seele geht, dort bleibt und ewig weiterlebt“. Die Teilnehmer dankten ihm mit lebhaftem Beifall.

Abschluss des Abends mit einem kurzen Gebet.

 

22:00 Uhr Gemütliches Beisammensein im Tagungsraum

 

Samstag, 19. Februar

 

8:50 Uhr Morgenandacht (Beate Beyer) an Hand einer Geschichte von Heinz Erhart: Der goldene Schlüssel zum Himmelreich.

 

9:05 Uhr Begrüßung der Bischöfe (Jörg Beyer)

 

9:10 Uhr Referat von Bischof Dr. Fürst

 

Zu Beginn zitierte er aus einer Enzyklika von Papst Pius XI von 1930, in welcher vor Mischehen gewarnt wurde, da sie eine Gefahr für das ewige Heil seien.

Auch noch in der Enzyklika „Matrimonia Mixta“ von Papst Paul VI 1970 wird die Mischehe unter negativem Vorzeichen gesehen.

Heute hat sich dies grundlegend geändert. Es wird anerkannt, dass die konfessionsverbindende Ehe eine Chance für die Ökumene ist. Der Bischof drückte dies in den Zuspruch an die Teilnehmenden aus: „Ihr seid die Speerspitze der Ökumene“.

 

Zur Frage der gemeinsamen Teilnahme an der Eucharistie wurde auf die Enzyklika von Papst Johannes Paul II „Ecclesia de Eucharistia“ von 2003 hingewiesen. Dort heißt es (in der deutschen Fassung): „Ein Grund zur Freude ist ….. dass die katholischen Priester in bestimmten Einzelfällen das Sakrament der Eucharistie anderen Christen spenden können, die zwar noch nicht in der vollen Gemeinschaft mit der katholischen Kirche stehen, aber sehnlich den Empfang wünschen….In diesem Fall geht es nämlich darum, einem schwerwiegenden geistlichen Bedürfnis einzelner Gläubiger im Hinblick auf das ewige Heil entgegenzukommen“.

 

Ein wichtiges Anliegen sei eine gemeinsame Bibel-Übersetzung. Gegenwärtig wird im katholischen Gottesdienst die Einheitsübersetzung, im evangelischen Gottesdienst die Lutherübersetzung verwendet.

 

 

9:40 Uhr Referat von Bischof Dr. Maier

 

Er begrüßte zunächst, dass es eine solche Tagung für konfessionsverbindende Familien gibt, und betonte, die Ehe sei eine göttliche Ordnung, die für alle Menschen - nicht nur für Christen - geschaffen ist. Das biblische Fundamant sei der Schöpfungsbericht in 1. Mose. Dabei müsse statt „Rippe“ richtig „Seite“ übersetzt werden. Er zitierte Luther: „Gott hat die Ehe eingesetzt“. Durch die Ehe zwischen Mann und Frau entstehe eine neue Existenz. Doch die Ehe sei „verletzungsfähig“.

 

Die christliche Trauung solle ein Bekenntnis zur christlichen Lebensführung enthalten.

Die konfessionsgleiche Ehe bleibe zwar seine Empfehlung. Doch betonte er, dass gerade die konfessionsverbindende Ehe das Gemeinsame zum Ausdruck bringen könne. Dabei sei wesentlich eine bewusst christliche Lebensgestaltung, nicht Verdrängung, nicht Gleichgültigkeit. Doch seien klare Absprachen erforderlich bezüglich Gottesdienstbesuch, Kindererziehung und der Rede vor den Kindern.

Es brauche eine sensible Seelsorge der Kirchen für die konfessionsverschiedenen Familien.

 

Bezüglich der Frage des gemeinsamen Abendmahls sagte er: „Ich bin zuversichtlich, dass wir darauf zugehen“.

Doch meinte er: „ Wir brauchen Kraft, um bestimmte Dinge, die wir nicht ändern können, stehen zu lassen“.

Als unverzichtbar in jeder christlichen, so auch der konfessionsverbindenden Ehe sieht er das gemeinsame Gebet, das gemeinsame Lesen der Bibel und die Liebe zur Kirche.

 

10:10 bis 11:30 Uhr Diskussion der beiden Referate (Moderation: Gudrun Steineck)

 

In der sehr lebhaft geführten Aussprache ging es vor allem um die gemeinsame Teilnahme an Eucharistie und Abendmahl. Dabei wurde auch auf den Gedanken von Prof. Neuner eingegangen, dass die christliche Ehe - auch die konfessionsverbindende Ehe - eine Art „Hauskirche“ sei, und dass für Kirche und damit auch für die Hauskirche die Eucharistie konstitutiv ist.

 

Von den Bischöfen wurde erläutert, dass die Kirchen aufeinander zugehen: In der evangelischen Kirche hin zum Gottesdienst mit integriertem Abendmahl, in der katholischen Kirche gehen heute fast alle zur Kommunion. Allerdings betonte Bischof Fürst: "Prüft, ob ihr wisst, was ihr tut“.

Ein Teilnehmer wies darauf hin, dass heute ein Drittel der Familien in den Gemeinden konfessionsverschieden sind. Daher schlug er vor, dass die Bischöfe einen gemeinsamen Hirtenbrief an diese Familien richten sollten. Auf diesen Vorschlag gingen die Bischöfe jedoch nicht ein. Von einem Teilnehmer wurde die konfessionsverbindende Familie als Modell für die Einheit der Kirchen bezeichnet.

Abschließend nannte Bischof Maier als wesentllich die Verpflichtung für alle Christen: „Ihr sollt meine Zeugen sein“.

 

 

13:30 Uhr Besprechung des Leitungskreises mit den regionalen Ansprechpartnern

 

Klaus Georgi hat Texte zum Thema Ökumene und konfessionsverbindende Familien (Kirchenamtliche Texte, Veröffentlichungen usw.) gesammelt und auf CD im Format PDF zusammengestellt. Er wird die CD auch in Zukunft aktuell erhalten.

Er übergab allen Mitgliedern des Leitungskreises eine CD.

 

14:00 Uhr Gemeinsames Singen mit den Kindern (Beate Beyer und Gabriele Gaukel)

 

Anschließend gingen die Kinder mit Beate Beyer zum Schlittenfahren (vom Tagungshaus wurden Schlitten zur Verfügung gestellt).

 

14:30 Uhr Gruppenarbeit (mit Kaffeepause)

 

Gruppe 1: Typisch katholisch/ typisch evangelisch – spielerische Annäherung an das Thema (Nicole Huber und Christoph Gaukel) mit Standbildern, Bewegungen und kleinen Szenen (mit und ohne Text). Für alle Teilnehmenden war es sehr unterhaltsam und eindrücklich, wie authentisch und pointiert Aussagen in einem spielerischen Feld entstehen.

 

Gruppe 2: Diskussion über das Tagungsthema (Jörg Beyer, Olaf Becker und Rudolf Lauber) mit den drei Themenfeldern: Eucharistie/Abendmahl, Gemeindeleben, Auftrag konfessionsverbindender Ehepaare. Die 16 Teilnehmenden der Diskussionsrunde, unter ihnen Pfarrer Hermann Barth, erarbeiteten Stichworte für einen Text, der an Kirchenleitungen, Zeitungen usw. gehen soll.

 

Gruppe 3: Musische Annäherung an das Tagungsthema (Gudrun Steineck) Einheit der Kirchen in der Musik: Umsetzung von Musik. Zu Auszügen der Johannespassion von J. S. Bach, des „Messias“ von Händel und der Missa Criolla aus Ramirez wurde Musik in Farbe und Form umgesetzt.

 

17:00 Uhr Erläuterung der Gruppenergebnisse im Plenum (Moderation: Bertram Huber)

 

Dabei wurden auch die in der Gruppe 3 entstandenen Bilder den übrigen Gruppen gezeigt.

Anschließend stellte Klaus Georgi drei neue Bücher zum Thema Ökumene vor, sowie das Buch von Beate und Jörg Beyer, das zum Preis von Euro 4,- gekauft werden konnte.

 

19:00 Uhr Abendandacht (Birgit Frohnhoff und Rosmarie Lauber)

 

Birgit Frohnhoff legte der Andacht den Mut machenden Text aus Eph 4, 1- 6 zugrunde. Aus einer Liedersammlung wurden Lieder von Taizé gesungen. Rosmarie Lauber stellte eine Bildmeditation vor: Die Grabsteine eines konfessionsverbindenden Ehepaars zu beiden Seiten einer Mauer, die den katholischen vom evangelischen Bereich eines Friedhofs trennt. Über die Mauer hinweg sind die Grabsteine miteinander verbunden.

 

Um 19:30 Uhr wurden die kleineren Kinder zu Bett gebracht.

 

Ein Redaktionsteam (Jörg Beyer, Olaf Becker, Klaus Georgi und Dietmar Riedhof) erarbeitete auf Grund der Stichworte, die in Gruppe 2 am Nachmittag gesammelt worden waren, einen Text, der veröffentlicht werden soll.

 

20:00 Uhr Bericht über die internationalen Kontakte (Rudolf Lauber).

 

Der in der Tagungsmappe enthaltene Text (gelbes Blatt) wurde erläutert.

Rückblick auf den Katholikentag in Ulm und Ausblick auf den Evangelischen Kirchentag in Hannover 2005 (Rosmarie Lauber). Verschiedene Teilnehmende erklärten sich bereit, dort beim Standdienst mitzumachen.

Anschließend gemütliches Beisammensein im Tagungsraum.

 

Sonntag, 20. Februar

 

9:30 Uhr Gemeinsamer Familiengottesdienst.

 

Die Eucharistiefeier leitete Pfarrer Hermann Barth. Ausgehend von den biblischen Lesungen (Abrahams Auszug auf Gottes Geheiß ins Ungewisse, das Erlebnis der Jünger auf dem Berg Tabor und das Hinabsteigen ins Tal) stellten die Kinder ein von ihnen gestaltetes Plakat vor. Es predigten Pfarrer Hermann Barth und Jörg Beyer. Fazit: „Habt keine Angst, ihr seid mit Gott unterwegs!“ Die Fürbitten wurden von Kindern vorgetragen. Der Gottesdienst wurde musikalisch gestaltet von Ulrike Becker und ihrer Tochter (Geige) und Olaf Becker (Gitarre).

 

11:00 Uhr Schlussgespräch (Moderation Stephan Frohnhoff)

 

Übereinstimmend wurde das Wochenende als gut, Mut machend, stärkend bezeichnet. Mehrere Tagungsteilnehmer lobten besonders die Einbeziehung kreativer Elemente. Der gemeinsame Gottesdienst wurde als bewegend und als Höhepunkt der Tagung erlebt.

 

Folgende Wünsche wurden geäußert:

- Diskussion in kleinen Gruppen

- Am Samstag keine Referate, statt dessen Themen erarbeiten (z. B. Gemeindearbeit)

- Eine vom Netzwerk organisierte Wanderung von Wittenberg nach Rom (!)

- Ein Artikel, der in den Schorndorfer Nachrichten erscheinen wird, sollte per eMail an alle Teilnehmenden gesandt werden.

 

Für die nächste Jahrestagung wurden als mögliche Themen genannt:

- Charta Oecumenica

- Heilige - Vorbilder oder Fürsprecher?

- Was ist in der Gemeinde möglich – wir tauschen und sammeln Erfahrungen

Das Tagungsthema wird vom Leitungskreis festgelegt werden.

 

Zum Schluss las Olaf Becker den (vorläufigen) Text vor, den das Redaktionsteam am Vorabend ausgearbeitet hatte. Dieser Text fand inhaltlich die volle Zustimmung aller Anwesenden. Einzelne Formulierungen sollen noch angepasst werden. Als Überschrift des Textes wurde der von Bischof Fürst an die Tagungsteilnehmer gerichtete Zuspruch vorgeschlagen: „Ihr seid die Speerspitze der Ökumene“.

 

Verfasser dieses Berichts: Rudolf und Rosmarie Lauber.