"Wir haben eine Hoffnung"

Presseerklärung der II. Weltkonferenz konfessionsverbindender Paare 2003 in Rom
 
Tübingen/Rom/London/Boulogne, 12. September 2003
Ihre Erwartungen an die Verantwortlichen in den Konfessionen haben konfessionsverbindenden Paare anlässlich ihrer zweiten Weltkonferenz ausgearbeitet und jetzt veröffentlicht. Die Veranstaltung fand vom 24. bis zum 28. Juli in Roca di Papa bei Rom statt. Über 300 Teilnehmerinnen und Teilnehmer, darunter beinahe 100 Jugendliche und Kinder kamen aus elf Ländern in Europa, Amerika und Australien. Sie vertraten mindestens sieben christliche Konfessionen. Weitere Besucher aus Afrika konnten nicht teilnehmen, da ihnen keine Visa erteilt wurden. Die Konferenz wurde von den Organisationen konfessionsverbindender Paare in England, Frankreich, Italien, Österreich und der Schweiz gemeinsam mit dem "Netzwerk konfessionsverbindender Paare und Familien in Deutschland" vorbereitet, es schlossen sich die Organisationen aus Nordirland, Kanada, den USA und Australien an.
 
Sieben Hoffnungen

Im Mittelpunkt der Abschluss-Botschaft stehen sieben Hoffnungen, in denen die weltweite Gemeinschaft ihre Erwartungen insbesondere an die christlichen Konfessionen ausdrückt:

  •  Die Anerkennung als Partner,
  • die Möglichkeit eines Lebens als Brücken zwischen den getrennten Christen,
  • der zunehmende Einsatz aller Christen für die Einheit,
  • die konsequente Anwendung bereits bestehender ökumenischer Vereinbarungen,
  • die Zusammenarbeit in der Seelsorge und
  • als besonderer Schwerpunkt die generelle Möglichkeit zur gemeinsamen Teilnahme an Eucharistie und Abendmahl jeweils in der Konfession des Partners.
  • Darüber hinaus sehen diese Paare und Familien ihre Verschiedenheit als von Gott geschenkten Auftrag zur Versöhnung.

"Dieses Dokument ist selbstverständlich wesentlich allgemeiner gehalten als nationale Dokumente", betont Jörg Beyer vom Netzwerk, der gemeinsam mit Ruth Reardon aus London und Brigitte Vielle aus Boulogne mit der Redaktion des Textes beauftragt war. "Es war aber für das internationale Vorbereitungs-Team im Vorfeld nicht sicher, ob es überhaupt möglich ist, ein solches Dokument vorzulegen. Denn die Situationen der unterschiedlichen Länder und das Selbstverständnis im Umgang mit den Konfessionen differiert in unserer globalen Bewegung doch sehr stark. Deshalb haben wir eine leise, aber eindeutige Sprache gewählt. Wir sind sicher, dass dieses Dokument uns miteinander verbindet und unsere Position beim weltweiten Ringen um die Einheit der Christen deutlich stärkt." Die Erklärung wurde mit überwältigender Mehrheit angenommen.

Austausch, theologische Arbeit und Gottesdienste

Die Konferenz wurde in den letzten zwei Jahren durch ein etwa dreißigköpfiges Team vorbereitet. Ziel war es, Betroffene zu motivieren, den Austausch auf internationaler Ebene zu fördern und Gespräche mit hochrangigen Vertretern der Kirchen und mit Theologen, insbesondere mit Mitgliedern des Päpstlichen Rats zur Förderung der Einheit der Kirchen in Rom, Kontakte zu knüpfen, um ihnen die Anliegen konfessionsverbindender Familien nahe zu bringen. Damit sollte das erste Welttreffen fortgeführt werden, das 1998 in Genf stattfand. Programm-Schwerpunkt waren die Vorträge mit anschließender Diskussion, die jeweils in vier Sprachen simultan übersetzt wurden: Am Freitag sprach der waldensische Theologe Daniele Garrone. Am Samstag nach dem Verlesen von Grußbotschaften, unter anderem von Kardinal Walter Kasper, sprachen Prälat Monsignore Eleuterio Fortino vom Päpstlichen Rat für die Einheit der Christen und Bischof Guiseppe Chiaretti, der Ökumene-Beauftragte der italienischen Bischofskonferenz. An den Nachmittagen wurden Arbeitsgruppen zu unterschiedlichen Themen angeboten. Jeden Tag fand ein Gottesdienst statt, je einmal römisch-katholisch, lutherisch-anglikanisch, reformiert-waldensisch und ökumenisch. Die konfessionellen Gottesdienste waren jeweils Abendmahls und Eucharistiefeiern, zu denen nahezu alle konfessionsverbindenden Paare gemeinsam gingen, einschließlich der älteren Kinder und Jugendlichen.
Gespräche im Vatikan und Papst-Besuch
Am 25. Juli besuchte eine Delegation mit Vertretern aus allen beteiligten Ländern und Konfessionen dem "Päpstlichen Rat für die Einheit der Christen" im Vatikan. Gesprächspartner war Monsignore Jack Radano, der eine Übersicht über die vielfältigen Akti­vi­täten dieser päpstlichen Behörde gab. Durch den Sprecher der Delegation, Canon Martin Reardon, wurde ein theologisches Grundlagen-Papier, das bereits im Vorfeld erarbeitet und während der Konferenz verabschiedet wurde in allen vier Konferenzsprachen über­geben. Außerdem wurde der Wunsch nach vertieften inhaltlichen Gesprächen zwischen Ver­tretern der Länder-Organisationen konfessionsverbindender Familien und dem Päpstlichen Rat vorgetragen. Am 27. Juli fuhren die meisten Konferenzteilnehmer nach Castel Gandolfo zum Angelus-Gebet von Papst Johannes Paul II, der die konfessionsverbindenden Familien der Weltkonferenz ausdrücklich begrüßte: "Ich grüße die Gruppe der konfessionsverschiedenen Paare. ... An diesem Sonntag, dem Tag des Herrn, könnt Ihr aus seinem Wort die Kraft schöpfen, die Ihr für Euer tägliches Leben braucht. Ich gebe Euch meinen apostolischen Segen."

Ausblick: Eine weltweite Vernetzung

Zum Abschluss wurde beschlossen, voraussichtlich 2007 zu einer dritten Weltkonferenz einzuladen. Bis dahin wird das zum weltweiten Verbund zusammengewachsene Team, das die Konferenz vorbereitete, kontinuierliche Kontakte zwischen den einzelnen Länderorganisationen intensivieren und Gesprächsmöglichkeiten mit führenden Kirchenvertretern und ökumenischen Institutionen mit einander abstimmen und - wo möglich - gemeinsam führen. Rosmarie und Prof. Dr. Rudolf Lauber, Koordinatoren vom 'Netzwerk konfessionsverbindender Paare und Familien in Deutschland', die als Koordinatoren für die deutschsprachigen Länder aktiv waren, fassen zusammen: "Dieses Veranstaltung hat eine hervorragende Basis geschaffen, damit wir unseren gemeinsamen Einsatz für die Einheit der Christen auch global verstehen und leben können. Dies wird auch auf die Arbeit unseres Netzwerks in Deutschland Auswirkungen haben, da gerade im Dialog mit römisch-katholischen Amtsträgern die weltweite Perspektive entscheidend ist."
Das Netzwerk
Das 'Netzwerk konfessionsverbindender Paare und Familien in Deutschland' fasst als bundesweites Forum die Erfahrungen von Initiativen, Kreisen und Gruppen zusammen, in denen sich konfessionsverbindende Paare und Familien treffen. Es berät und begleitet Betroffene und vertritt ihre Ansprüche gegenüber den Konfessionen. Deshalb stehen Vertreter der Initiative im Dialog mit Bischöfen und anderen Verantwortlichen der christlichen Konfessionen und betreibt systematische Öffentlichkeitsarbeit auf Kirchen- und Katholikentagen, im Internet und in den Medien. Weiterhin bietet das Netzwerk in ganz Deutschland erfahrene Ansprechpartner für Fragen der interkonfessionellen Ehe. Außerdem steht es im engen Austausch mit vergleichbaren Initiativen anderer Länder. Das Netz ist innerhalb der Arbeitsgemeinschaft Ökumenischer Kreise e.V. organisiert. Die Initiative wird von einem neunköpfigen, gleichberechtigten Team geleitet und stellt umfangreiches Informationsmaterial zur Verfügung.