Nigeria

Bericht über interkirchliche Familien in Nigeria
von Chdi Ukwueze
 
Ich habe einige Male versucht, den Charakter und die Lage interkirchlicher Familien in Nigeria zu erfassen. Dass ich dabei erfolglos blieb, hängt damit zusammen, dass wir immer noch in der Entwicklungsphase stehen. Während einer pastoralen Praxis in Lagos/Nigeria hörte ich im Jahre 2001 von der AIF im UK. Auf Grund meines Interesses an der Ökumene bat mich der Präses meines Priesterseminars, eine Gruppe von Seminaristen im Jahre 2001 zur Tagung in Kanada zu führen. Leider schafften wir die Reise nach Kanada nicht, da es damals keine kanadische Botschaft in Nigeria gab und wir unser Ansuchen für unsere Visas über Ghana machen mussten. Aus mir unbekannten Gründen haben wir die Visas nicht bekommen. Einige Monate danach wurden Paare aus interkirchlichen Ehen zusammengeführt, um eine Gruppe von interkirchlichen Familien zu gründen. Mir wurde die Verantwortung für diese Gruppe gegeben.
 
Anfangs fand ich die Aufgabe schwierig, da ich mir über den Charakter und das Ausmaß meines Beitrags nicht sicher war. Ich ergriff die Initiative und organisierte eine Art monatlichen Treffens und half bei der Struktuierung. Ein Problem ergab sich auch daraus, dass einige Mitglieder, da sie nie eine Schule besucht hatten, des Lesens und Schreibens unkundig waren. Es fanden sich aber einige Männer unter ihnen, die doch an einer Schule gewesen waren und so konnte ich durch sie die anderen Mitglieder erreichen.
 
Wir begannen am ersten Tag mit zwei Familien, mit der Zeit kamen weitere Familien dazu und wir haben nun Gruppen in West- und Ostnigeria. Ich habe auch einen Geistlichen für die Ostnigerische Gruppe gefunden und freue mich, dass er die Absicht hat, zur Tagung nach Rom zu kommen. Er erhofft sich davon einen besseren Einblick in die AIF, der ihm dann in Nigeria zugute kommen kann.
 
Die Familien kommen aus römisch-katholischen, anglikanischen und presbyterianischen Konfessionen. Die Gruppe wurde dem Priesterseminar als eine fromme Gruppe, ähnlich denen in der katholischen Kirche vorhandenen ‘Legio Mariens’, ‘Herz Jesus’ und ‘Hl. Josef’ Gruppen vorgestellt. Wir haben im Seminar eine gute Anzahl von von außen kommenden Katholiken, die mit uns beten. Wir haben nun daher im Seminar eine ‘Studentenmesse’ (für die Seminaristen) und eine ‘Volksmesse’ für die Leute außerhalb des Seminars. Dies liegt daran, dass die Kirche nicht groß genug ist, uns alle auf einmal aufzunehmen. Einige Laien haben sich dieser frommen Gruppe angeschlossen. Es war der Präses, dem auffiel, dass einige davon mit Nichtkatholiken verheiratet waren, und wählte zwei von ihnen aus und begann die Gruppe der interkirchlichen Familien. Aus diesem Grund trifft sich diese fromme Gruppe im Seminar.
 
Die Eheschließung an sich ist bei uns das Hauptproblem. Keiner von ihnen hat geheiratet, denn es ist nicht immer leicht, irgendeinen Bischof in Nigeria von interkirchlichen Eheschließungen zu überzeugen. Ich war traurig zu hören, dass im vergangenen Jahr nur deshalb ein Seminarist entlassen wurde, weil er an einer Trauung in einer anglikanischen Kirche teilnahm. Der Erzählung nach geht hervor, dass der unschuldige Seminarist nicht gewusst hatte, das sein Cousin in einer anglikanischen Kirche heiraten würde. Er erfuhr erst davon, als er zur Trauung kam und konnte dann nichts anderes tun, als der Trauung beizuwohnen. Nun ist er aus dem Priesterseminar ausgeschlossen. Damit will ich sagen, dass wir hier immer noch um eine Anerkennung interkirchlicher Trauung seitens der röm-kath. Kirche in Nigeria beten.
 
Genauso ist es mit der Taufe. Nicht alle Priester Nigerias sind bereit, ein Kind, dessen Eltern nicht in der Kirche geheiratet haben, zu taufen. In der nigerischen Kultur (und in Afrika allgemein, glaube ich) richtet sich der Kirchenbesuch nach dem Mann, der für alles die Verantwortung übernimmt. So kommt es, dass der Mann des Hauses bestimmt, welche Kirche seine Kinder (und manchmal sogar die Ehefrau) besuchen. Das ist eine der Schwierigkeiten, denen wir in der pastoralen Sorge für interkirchliche Familien begegnen, denn wir unterminieren die Rolle des Mannes in der Familie. Ich muss sagen, dass die Kirchen in Nigeria noch einen langen Weg zum gegenseitigen Verständnis hin haben. Es ist für Sie sicher komisch zu hören, dass den jungen Mädchen in einigen Kirchen Nigerias in Predigten geraten wird, nur den Mann zu heiraten, der ihnen verspricht, ihre Kirche zu besuchen. Wir sind daher sehr bemüht, unseren Kirchen die Notwendigkeit für Dialog und Verständnis bewusst zu machen. Die wenigen interkirchlichen Familien, die es zur Zeit bei uns gibt, lernen nun miteinander in ihren Familien zu beten und wir hoffen sehr, dass die Fragen betreffend ihre Trauungen und die Taufe ihrer Kinder bald gelöst werden können.