England

Die britische AIF 1998 – 2003
Im Jahre 1998 starb Pater John Coventry, der vor 30 Jahren bei der Gründung der AIF mithalf. Mit ihm verloren wir einen lieben Freund und Seelsorger. Im selben Jahr jedoch bot das internationale Treffen interkirchlicher Familien in Genf für die Mitglieder, einschließlich der älteren Kinder von interkirchlichen Familien, eine Quelle reichhaltiger Inspiration. Die Teilnahme der AIF an der Padare beim Treffen des Weltkirchenrates in Harare in Zimbabwe erweiterte unsere Beziehungen und Kontakte.
Die römisch-katholischen Bischöfe von England und Wales haben die AIF zur Beratung in der Vorbereitung des Lehrdokumentes über die Eucharistie ‘One Bread, One Body’ (Ein Brot, ein Leib) zugezogen. Diese Veröffentlichung verursachte unter interkirchlichen Familien sehr gemischte Gefühle. Wir begrüßten die Veröffentlichung als eine erste Erklärung der britischen und irischen Bischöfe, in der sie sagen, dass Zulassung zur Kommunion von interkirchlichen Familien möglich ist, doch bedauern wir die offensichtliche Einschränkung auf einmalige Anlässe. Kürzlich sind wir neuerlich von der Bischofskonferenz betreffend der Weiterführung dieses Dokumentes angesprochen worden.
Darüber hinaus wurden Mitglieder für einen Artikel über eucharistische Mahlgemeinschaft in interkirchlichen Familien befragt, was zu einer Untersuchung über Autorität und Führung in der römisch-katholischen Kirche beiträgt und sie haben auch zu einem Überblick über Unterstützung von Ehen und Familien beigetragen, der von einer Abteilung der britischen Regierung finanziert wurde.
 
Bestrebungen der Mitglieder zur Einheit
Mitglieder wirken in vielen Kirchen und kirchlichen Schulen, manchmal auch in jenen, die von der römisch-katholischen und anderen Kirchen gemeinsam verwendet werden. Die Mitgliedliste beinhaltet mehrere Geistliche und Männer/Frauen, die sich auf die Ordination vorbereiten – mit Gatten und Gattinnen. Die jahrelange enge Freundschaft unter den Familien bedeutet oft, dass Familienfeste wie zum Beispiel Hochzeitsjubiläum, Taufe, Erstkommunion, Firmung und Begräbnis interkirchliche Familien aus verschiedenen Landesgebieten miteinschließen. Dies wiederum gibt Anlass, den Wunsch nach eucharistischer Gastfreundschaft vorzubringen, bringt mitunter auch begrüßungswerte Spenden und lokale Werbung.
 
Eine kürzlich durchfegührte Umfrage innerhalb der Mitgliederschaft zeigte ein intensives Engagement der Mitglieder in der Ökumene auf lokaler, regionaler und nationaler Ebene in Organisationen, die sich mit Ehe- und Familienfragen und Spiritualität befassen, sowie der nationalen anglikanischen und römisch-katholischen Komitees und der methodistischen und römisch-katholischen Komitees. Die Tatsache, dass unsere derzeitigen Kovorsitzenden aus der römisch-katholischen, anglikanischen und baptischen Tradition kommen, zeigt, dass wir uns um die volle Einbeziehung von Mitgliedern der Hauptrichtungskirchen bemühen.
 
Aufbau und Organisation
Das Büro der AIF befindet sich weiterhin in London im Gebäude der offiziellen ökumenischen Bewegung ‘Churches Together in Britain and Ireland’, wodurch ein regelmäßiger Kontakt und eine gute Beziehung mit Menschen möglich ist, die auf breiterer Ebene in der ökumenischen Bewegung engagiert sind. In den letzten paar Jahren hatten wir drei bezahlte Teilzeitbeschäftigte: Verwalter, leitende Bürokraft und eine Jugendverantwortliche. Sie alle stellen mehr Zeit als die bezahlten Stunden zur Verfügung. Das Büro beantwortet Fragen und versendet Schriften. Im Gebäude finden ebenfalls die Ausschusstreffen und Trainingstage der regionalen Kontaktpersonen statt. Mitglieder und Freunde der AIF erhalten die regelmäßig erscheinenden Informationen der AIF: ‘AIF Journal’ und das weniger formelle ‘News and Notes’. Wir bemühen uns auch die spezifischen Informationspackungen und die Flugblätter am laufenden zu halten und haben kürzlich eine Website eröffnet. Wir haben ein Netzwerk von regionalen Kontaktpersonen im ganzen Land und ein Netzwerk von Pastoren, Priestern und Theologen, die bereit sind, Ratschläge und Unterstützung zu geben. Wir hoffen, uns in Wales und Schottland weiter zu entwickeln. Familiengruppen in den Regionen treffen sich noch ab und zu, doch sind diese Gruppen wegen der immer zunehmenden zeitlichen Aufforderungen der beiden Kirchengemeinden und Organisationen im allgemeinen nicht mehr so aktiv.
 
Tagungen und Vorträge
Die jährliche Tagung der AIF in Swanwick bringt bis zu 200 Leute einschließlich viele Kinder und junge Erwachsende zusammen. Gebet und Gottesdienste bilden einen integralen Teil des Wochendes und folgen einer Anzahl verschiedener Traditionen. Jedes Jahr gibt es für Kinder und Jugendliche ein parallellaufendes Programm, das eine Teilnahme am Hauptprogramm der Tagung, wenn angemessen, ermöglicht. In den letzten Jahren kamen die Leute für die Kindergruppen aus der örtlichen Pfingstkirche, was das Verhältnis zueinander wachsend bereichert.
 
Dem Tod von Pater John Coventry zufolge wurde eine jährliche Vorlesung über ein ökumenisches Thema eingeführt. Vortragende kommen aus nationalen und internationalen ökumenischen Bereichen, um über Ökumene in Kirche und Familie zu sprechen. Diese Vorlesungen sprechen auch immer viele Leute an, die außerhalb der AIF stehen.
 
Kinder und Jugendliche
Seit dem Treffen in Genf floriert unsere Gruppe der jungen Erwachsenen unter der Leitung unserer teilzeitbeschäftigten Leiterin. Sie stellen sich ihr Programm für die jährliche Tagung in Swanwick, wie auch ihre jährlichen geselligen Wochenenden zum Großteil selbst zusammen. Sie verbreiten ihre eigene Publikation ‘The Interdependent’ und haben ihre eigene Website. Sie sind ständig entweder per E-Mail oder Telefon miteinander in Verbindung und unterstützen einander bei Familien- oder kirchlichen Feiern wie z.B. Firmungen. Sie nahmen an christlichen Ferienlagern teil. Ältere Mitglieder der Gruppe leiten nun an Universitäten christliche Vereine und andere christliche Gruppen sowie ökumenische Organisationen. Unsere Jugendleiterin organisierte zwei Wochenenden zum Thema ‘Firmung’ (Considering Confirmation). Diese gaben den etwa 20 Jugendlichen die Gelegenheit über verschiedene Möglichkeiten nachzudenken, wie sie in ihren zwei Kirchengemeinden ihren Glauben am besten öffentlich bezeugen könnten. Es wurden unterschiedliche Entscheidungen getroffen: einige beschlossen sich, in einer Kirche firmen zu lassen, in manchen Fällen mit darauffolgendem Gelöbnis oder Aufnahme in der anderen. Einige planten ihre eigene Liturgie, eine als Gelöbnis, andere als Aufnahme in die Mitgliedschaft ihrer Kirchen, entweder als Teil der Firmungsfeier oder separat. Zwei der jungen Leute wurden im römisch-katholischen Ritus gefirmt, hatten jedoch ihren anglikanischen Pastor (einen Bischof im Ruhestand) zum Paten, der an der Feier voll teilnahm. Einige entschlossen sich gegen eine formelle Entscheidung betreffend die Mitgliedschaft und nahmen weiterhin in beiden Kirchengemeinden teil, auch wenn sie schon von zu Hause weg sind. Unsere Erfahrung zeigt, dass viele von diesen jungen Leuten weiterhin eine volle Rolle in den Kirchen und der breiteren christlichen Gemeinde spielen und ein tiefes Verständnis für ihre christlich Berufung haben.
 
Anerkennung
Wir waren enorm stolz auf Martin und Ruth Reardon, als ihnen als Anerkennung für ihre unermüdliche Arbeit für interkirchliche Familien vom Erzbischof von Canterbury das Silberne Kreuz des Hl. Augustinus verliehen wurde, gefolgt von der päpstlichen Auszeichnung ‘Pro Ecclesia et Pontifice’. Sie erhielten eine Einladung von der ‘Joint Working Group of the Roman Catholic Church/World Council of Churches’ (Arbeitsgemeinschaft der röm.-kath. Kirche/Weltkirchenrat) über die kirchlichsoziale Bedeutung interkirchlicher Ehen zu sprechen. Wir freuen uns, dass die Komoderatoren dieser Gruppe die Absicht haben, zu unserem Romtreffen zu kommen.
 
Spiritualität
Die Freuden, Möglichkeiten, Schwierigkeiten und Spannungen des Lebens christlicher Berufung innerhalb einer interkirchlichen Familie bedürfen der ständigen Unterstützung des gemeinsamen und individuellen Gebetes. Die Gebetskette der AIF gibt uns und den Menschen, die wir lieben, nicht nur diese Unterstützung, sondern erinnert uns in unserem Alltag und dem Weltgeschehen im allgemeinen an Christus. Die Bereicherung, die wir durch Gebete und Gottesdienste anlässlich der AIF-Treffen und Tagungen erfahren, erleben wir in unseren eigenen Kirchen nicht, besonders wenn wir bei diesen Anlässen die Möglichkeit haben, ohne Spannungen eucharistische Gastfreundschaft zu erleben. Aus dem ‘AIF Vision Survey’ gibt es jährlich einen AIF Gebetstag, der die Möglichkeit bietet, Entschlüsse im geistlichen Bereich zu treffen.
 
Die Zukunft
Unsere Gründer, Martin und Ruth Reardon, haben sich, obwohl sie ihre Arbeit für interkirchliche Familien nicht aufgeben, von der formellen Führung zurückgezogen, stehen uns aber weiterhin zur Seite. Die AIF ist zur Zeit in einer sensitiven Phase ihres Bestehens und muss einige schwierige Entscheidungen treffen. Fragen der Mitgliederschaft, Verfahrensweise und Finanzierung stehen zur intensiven Diskussion. Da die AIF eine eingeschriebene karitative Organisation ist, können diese Fragen nicht ignoriert werden. Wir hoffen, dass die AIF aus diesem Prozess mit einem klaren Blick, der in Gebet und Verpflichtung zu dem einen Leib Christi hin verwurzelt ist, hervorgehen wird.