Ulrike und Martin Metzner

Martin (1960), evangelisch, Ulrike (1966), katholisch und 3 Töchter (1990, 1993, 1996), ev.
 
Unser Ökumenischer Weg
Martins Familie stammt aus Westpreußen. Dort bestimmte die Konfession auch die Volkszugehörigkeit. Insofern war für seine deutschen Großeltern alles Katholische etwas Fremdes. In Berlin, wo seine Familie nach dem Krieg wohnte, gab es kaum Katholiken. Nach dem Umzug ins Rheinland änderte sich diese Situation: Die Evangelischen waren in der Minderheit und wurden dort wie Heiden angesehen. Martin fand kaum Anschluss an die Kirchengemeinde, spielte lieber Tennis.
 
Während des Studiums in Bonn waren es dann gerade katholische Kommilitonen, die ihn durch ihr Vorbild zu Glauben und Kirche zurückführten. Durch diese „katholische kirchliche Sozialisation“ nach seiner evangelischen Erziehung war er bereits konfessionsübergreifend geprägt. Er beteiligte sich an der Vorbereitung von Frühandachten im Bonner Münster und nahm an der Pilgerfahrt der katholischen Heimatgemeinde eines Kommilitonen nach Assisi teil. Dort lernte er die kleine Gemeinschaft San Masseo kennen. Ein halbes Jahr später nahm er für zwei Wochen ebenfalls am Leben und Arbeiten in San Masseo teil. Dabei begegnete er Ulrike.
 
San Masseo ist ein kleiner Hof bei Assisi, der von einem Franziskanermönch aus San Damiano geleitet wird. Menschen aller Konfessionen, vor allem junge Menschen aus Deutschland und Italien, leben und arbeiten dort für ein bis drei Wochen im Geist des Franziskus von Assisi. In festem Tages- und Wochenrhythmus wird dort gebetet, gesungen, gegessen, gefastet, gekocht, geputzt, gebacken und im Garten und auf den Feldern gearbeitet. Ziel ist, Anregungen mitzunehmen nach Hause für die persönliche Lebensgestaltung.
 
Nach dem Studium zog Martin nach Leonberg, wo Ulrike zu der Zeit wohnte. Im württembergischen Leonberg gibt es neben der großen evangelischen Gemeinde eine große katholische (ca. ein Drittel) Minderheit, zu der auch Ulrike gehört, und eine klein, engagierte methodistische Gemeinde. In Leonberg sind alle Gemeinden traditionell sehr aufgeschlossen für die Ökumene. Abendmahlsgemeinschaft wird bei entsprechenden Anlässen praktiziert, ohne dass es besonders erwähnt wird. Seit 1988 bereits gibt es in Leonberg alle vier Jahre Ökumenische Kirchentage.
 
In dieser für konfessionsverbindende Paare günstigen Umgebung mussten wir nun unseren ökumenischen Weg definieren und beginnen. Ulrikes Eltern unterstützten uns dabei. Während unseres Urlaubs nahmen sie am Ökumenischen Kirchentag in Leonberg teil und vermittelten den Kontakt zu Familie Lauber. Laubers erzählten uns, wie sie ihr ökumenisches Familienleben in zwei Kirchengemeinden gestalten. Alternativ wurde uns jedoch von vielen Christen empfohlen, uns für eine Gemeinde zu entscheiden.
 
Martin trat in den evangelischen Kirchenchor ein. Aufgrund der stärkeren Bindung Ulrikes und ihrer Familie an ihre Kirche ließen wir uns in der katholischen Kirche in Leonberg trauen. Dabei waren der evangelische Pfarrer und der evangelische Kirchenchor.
 
Nach der Hochzeit zogen wir nach Gebersheim, eine kleine evangelische, pietistisch geprägte Gemeinde mit nur wenigen Katholiken, aber auch Methodisten, die sogar eine eigene kleine Kirche im Ort haben. Martin trat in den Hauskreis des CVJM ein.
 
Nach der Geburt des ersten Kindes mussten wir nun entscheiden, ob wir die Familie nur in einer Gemeinde am Ort beheimaten oder auch weiterhin auswärts an katholischen Gottesdiensten teilnehmen wollen. Aufgrund der Offenheit und der guten ökumenischen Zusammenarbeit am Ort entschieden wir uns, in Gebersheim unseren Glauben zu leben und in der Gemeinde am Ort mitzuarbeiten. Alle drei Kinder wurden daher in der evangelischen Kirche getauft. Martin wurde in den Kirchengemeinderat gewählt und zum 2. Vorsitzenden des CVJM. Ulrike arbeitet in der Kinderkirche mit und trat ebenfalls in Hauskreis und CVJM ein.
 
Eine Entscheidung für die „Mehrheitskirche“ hat auch Nachteile. Zum einen kann ein Partner seine konfessionellen Traditionen nur wenig leben. Zum anderen kann Ökumene am Ort nur wirklich gelernt werden, wenn es auch in den Minderheitsgemeinden genug Leben gibt. Ein Leben in zwei Gemeinden setzt jedoch gelungene Absprachen voraus, sodass zermürbende Diskussionen „In welchen Gottesdienst gehen wir heute?“, insbesondere an Weihnachten und Ostern, vermieden werden können. Daher muss jedes Paar eine solche Entscheidung für sich treffen. Bei uns lag die Konzentration auf eine Gemeinde nahe (keine kath. Kirche, Kommuniongruppe, ... am Ort) und wurde erleichtert durch die ökumenische Offenheit am Ort.
 
Unser Glaube lässt sich sowieso nicht durch Einordnung in eine Konfession beschreiben. Jeder von uns Christen hat, basierend auf den uns verbindenden Grundüberzeugungen, individuelle Glaubensüberzeugungen und ein individuelles Glaubensleben. Ohne diese Vielfalt und den Austausch darüber könnten wir Christen kaum im Gespräch voneinander lernen. So mischen sich auch typisch evangelische oder typisch katholische Elemente in uns. Zum Beispiel bestellt Martin bei der kath. Gemeinde den Nikolaus und die Sternsinger und nimmt ohne Ulrike an einer Pilgerreise nach Israel mit der kath. Gemeinde teil. Darüberhinaus heißt Ökumene für uns auch die gute Zusammenarbeit mit der methodistischen Gemeinde am Ort (auch Teilnahme an ihren Festen), die dankbare Annahme der Angebote der pietistischen landeskirchlichen Gemeinschaften (auch Teilnahme an ihren Freizeiten) und mit charismatisch geprägten jungen Menschen im CVJM (gemeinsames Gebet).
 
Unsere beiden großen Töchter besuchen ein katholisches Mädchengymnasium in Stuttgart. In jedem Elternbrief, in jeder Ansprache, bei jedem Fest erkennen wir den frohen, offenen, ökumenischen franziskanischen Geist und sehen in dieser guten Erziehungspartnerschaft die eigenen Werte unterstützt. Das waren die Kriterien für die Schulwahl, nicht die Konfession.
  
Konfessionsverbindung heute
Wir haben uns für ein christliches Leben in der ev. Kirchengemeinde entschieden. Wir sind beide Mitarbeiter in der ev. Kirchengemeinde Gebersheim. Meine Frau ist voll akzeptiert als Mitglied, als Mensch, vor allem als Mitarbeiterin. Typisch katholisches Glaubensleben kommt natürlich in der Gemeinde zu kurz. Als Ausgleich trägt die Schule katholische Traditionen in unser Familienleben hinein.
 
Überzeugungen
Unsere Überzeugungen, die wir aufgrund unseres ökumenischen Lebensweges gewonnen haben, möchten wir wie folgt zusammenfassen:

  • Es ist nicht wichtig, welcher christlichen Konfession wir angehören. Es ist sondern wichtig, dass wir uns als Christ fühlen, bekennen, verhalten.
  • Es lohnt sich nicht, zu beraten, in welcher Konfession wir unsere Kinder besser erziehen. Es lohnt sich sondern, einen Dialog zu führen, ob und vor allem wie wir christlich erziehen wollen.
  • Der Normalfall bei konfessionsverschiedenen Ehepaaren ist die Gleichgültigkeit, d.h. die Entfernung eines oder beider Partner von der Kirche aufgrund der damit verbundenen Probleme. Wir betonen daher nicht das Trennende, sondern die Gemeinsamkeiten, nämlich
    - Heilige Schrift
    - Glaubensbekenntnis
    - Taufe

Wir lassen uns unseren Glauben nicht vorschreiben. Wir arbeiten mit in unserer Gemeinde. Wir möchten beitragen, Intoleranz, Scheuklappen und engen Horizont zu überwinden.