Einheit ist möglich

Konkrete Vorschläge konfessionsverbindender Paare und Familien

Grundlage des Glaubens aller christlichen Konfessionen sind Leben, Tod und Auferstehung von Jesus Christus. Dies ist auch der Ausgangspunkt aller ökumenischen Bemühungen. Dieser Jesus Christus richtet an uns ausdrücklich den Wunsch "dass sie alle eins seien" (Johannes 17,21), um nur eine von vielen Bibelstellen zu nennen. Die Einheit der Christen mit Gottes Hilfe zu suchen, zu fördern und herbeizuführen ist deshalb Aufgabe einer jeden Christin und ei-nes jeden Christen. Denn sie sind für Nicht-Christen nur dann glaubhaft, wenn sie Gott mit einer Stimme bezeugen.

Thesen

Deshalb wurden auf der Jahrestagung der Initiative, die vom 14. bis zum 16. Februar 2003 in Burg Rothenfels statt fand, Thesen vorbereitet, die einen konkreten Weg zur Einheit der Christen beschreiben. Hierzu gehören auf Gemeinde-Ebene folgende Schritte: Ein tolerantes Miteinander, gemeinsame Veranstaltungen, gezielte Einladungen der Mitchristen anderer Konfessionen und dann das Prinzip, alles gemeinsam zu tun, was gemeinsam getan werden kann. Die Paare erhoffen sich davon ein glaubwürdigeres Zeugnis der Christen in der Öffentlichkeit und schließlich die "Versöhnte Verschiedenheit unter einem Dach". Wo sich Christen auf diesen Weg einlassen, da bestehe die Chance, dass im gemeinsamen Glaubensleben auch historische Gegensätze an Bedeutung verlieren, wo der gemeinsame Glaube an Leben, Tod und Auferstehung von Jesus Christus im Mittelpunkt steht.

Konfessionsverbindende Ehe als Modellfall

Konfessionsverbindende Paare und Familien leben diese Einheit der Christen bereits heute modellhaft. Sie bezeugen somit in Ihrem Alltag, dass die Einheit der Christen möglich und bereichernd ist. Sie tun dies, weil sie genauso wie kon-fessionell einheitliche Paare vor Gott eins sind. Durch die Sünde der Spaltung der Christen bringen die Konfessio-nen Trennungen in diese Ehen und Familien. Deshalb ist die Einheit der Christen unser besonderes Anliegen und wir erwarten von den christlichen Konfessionen, dass sie sich mit ganzer Kraft für die Überwindung dieser Schuld einsetzen.

Vier Stufen der Annährerung

So sind wir überzeugt, dass die Einheit der Christen schrittweise insbesondere zwischen konfessionsverschiedenen Nachbargemeinden gefördert und herbeigeführt werden kann und muss. Wichtig ist es dabei, auch die kleineren christlichen Konfessionen einzubeziehen. Wir schlagen für diese Annäherung die folgenden Stufen vor:

1. Initial: Die Gemeinden leben friedvoll und tolerant nebeneinander.

2. Interessiert: In möglichst vielen Bereichen werden regelmäßig ökumenische Veranstaltungen durchgeführt.

3. Informiert: Nachbargemeinden laden sich bewusst und gezielt gegenseitig zu ihren jeweils eigenen Veranstaltungen ein, wo immer es möglich ist. Dazu wird ein systematischer Informationsaustausch gefördert.

4. Integriert: Es wird alles gemeinsam durchgeführt, was nicht getrennt getan werden muss.

Ein realistischer Weg

Diese Schritte sind realistisch! Wir wissen uns mit dieser Aufforderung in Gemeinschaft mit vielen in der Ökumene engagierten Christen, was sich beispielsweise in der 'Charta Oecumenica' und in Veröffentlichungen der Arbeitsgemeinschaft Christlicher Kirchen (ACK) ausdrückt. Außerdem steht keine dieser Stufen im Widerspruch zu den Grundsätzen der in der ACK vertretenen Konfessionen. Jede dieser Stufen wird bereits heute von einzelnen Gemeinden gelebt. Jede dieser Stufen zeigt einen Reifegrad von Gemeinschaften und Gemeinden, die in der Nachfolge von Jesus Christus dessen Auftrag zur Einheit ernst nehmen.

Mit einer Stimme zum Glauben einladen

Jede dieser Stufen ermöglicht es den Christen sofort, mit einer Stimme zum Glauben an Jesus Christus einzuladen. Dies ist gerade in unserer Zeit unverzichtbar, um insbesondere jenen Menschen eine Orientierung zu bieten, die in der Beliebigkeit unserer Gesellschaft auf der Suche sind.

Gegensätze nicht verwischen

Alle vier Stufen können gegangen werden, ohne die geschichtlichen, theologischen und geistlichen Gegensätze zu verwischen, die noch zwischen christlichen Konfessionen bestehen. In einem solchen Zusammenleben können Glaubenserfahrungen gemacht werden, die unter Gottes Geist dazu führen, dass aus dem gelebten Glauben christliche Lehre gemeinsam neu entdeckt wird und zur Einheit führt. Denn die Lehre ist ebenso auf Korrekturen durch die Glaubenspraxis angewiesen, wie das Glaubensleben die Überprüfung durch die Lehre benötigt.

Deshalb bitten wir die christlichen Gemeinden, sich diesen Prüfsteinen der Ökumene zu stellen, sie zum Programm zu machen und mit ihnen zu leben.
Deshalb bitten wir die Verantwortlichen in den Konfessionen, diese Prüfsteine zu einem Teil des Gemeinde-Modells und der Gemeinde-Entwicklung zu machen.
Deshalb bitten wir die Theologie, sich auf einen Prozess des Lernens von der Praxis einzulassen und dies mit derselben Selbstverständlichkeit zu tun, mit der Theologie lehrt.

Versöhnte Verschiedenheit unter einem Dach

Ziel dieser Bemühungen ist die versöhnte Verschiedenheit der Christen unter einem Dach, denn nur sie ermöglicht es, das skandalöse Nebeneinander der Christen zu beenden. 40 Jahre nach den ersten Knospen des 'Ökumenischen Frühlings' ist die Zeit dazu mehr als reif.