Brief an alle, die in der Kirche Verantwortung tragen

An alle, die in unterschiedlicher Weise zur Verantwortung in den Konfessionen berufen sind:

Unter den Teilnehmenden unserer diesjährigen Jahrestagung herrschte Übereinstimmung darüber, dass genug über die Einheit der Christen geredet und geschrieben wurde. Für die Zukunft der Kirche sind das Gebet um die Einheit und weitere konkrete Schritte auf dem Weg der Christen zueinander unverzichtbarer denn je.

Wir möchten deshalb die unterzeichnenden Kirchen der Charta Oecumenica an ihre Selbstverpflichtung erinnern, füreinander zu beten und alles gemeinsam zu tun, was nicht getrennt getan werden muss. Und dies ist bereits heute sehr vieles! So können Christen in der Gesellschaft ihre Gaben und Kräfte bündeln und ein lebendiges Zeugnis von Jesus Christus leben, das überzeugender ist als jeder Konfessionalismus.

In besonderer Weise sind interkonfessionelle Ehen mit der Ökumene verbunden. Gerade in Deutschland machen sie in vielen Regionen weit mehr als ein Drittel der unter Christen geschlossenen Ehen aus. Diese Wirklichkeit bestimmt den Alltag der Konfessionen noch nicht in angemessener Weise. Schon allein deshalb muss die Gemeinsamkeit der Christen im Alltag flächendeckende Selbstverständlichkeit werden und darf nicht der Beliebigkeit Einzelner überlas-sen bleiben.

Eine besondere Chance für die Einheit der Christen sind jene interkonfessionellen Ehen, in denen beide Partner in ihrer jeweiligen Heimatgemeinde verwurzelt sind und so die Ökumene gemeinsam voranbringen wollen. Auf diese Weise werden aus interkonfessionellen Paaren konfessionsverbindende Ehen. Diese sind ein lebendiges Modell für die gelebte Einheit, die ein zentrales biblisches Anliegen ist. Von großer Wichtigkeit ist deshalb, dass die Betroffe-nen von Seelsorgern und Gemeinden darin unterstützt werden, dass aus den konfessionsverschiedenen konfessions-verbindende Ehen werden. Denn ein Leben als konfessionsverbindende Ehe ist Berufung und Hauskirche, sie hat keinerlei Makel oder nachgeordnete Stellung im Vergleich zur konfessionseinheitlichen Ehe. Konfessionsverbinden-de Ehen haben auf dem Weg zur Einheit der Christen einen Auftrag als lebendige Brücke, die hilft, die Schuld der konfessionellen Spaltung zu überwinden. Wir sind als konfessionsverbindende Paare und Familien das lebendige Beispiel, dass „versöhnte Verschiedenheit unter einem gemeinsamen Dach“ möglich ist.

Für jede Form von Kirche aber, auch für die Hauskirche, ist die Feier des Herrenmahls unverzichtbar. Wir erwarten deshalb von allen christlichen Konfessionen, dass sie sich nach allen Kräften darum bemühen, schnellstens den kon-fessionsverbindenden Paaren die gemeinsame Teilnahme an Eucharistie und Abendmahl zu ermöglichen. Bitte er-mutigen Sie in einem ersten Schritt deshalb die Pfarrer in Ihren Diözesen und Landeskirchen, aktiv auf konfessions-verbindende Paare zuzugehen und, soweit möglich, die persönliche Einladung zur Teilnahme am Herrenmahl auszu-sprechen.

Mit Blick auf das Wohl der Kirche drängt die Zeit. Denn welches Bild geben wir Christen, wenn all jene, die vor Gott eins sind, am Tisch des Herrn und bei so vielen anderen Anlässen getrennt bleiben. Unser Drängen nach Einheit mag eine Zumutung für uns wie für andere sein. Aber das Evangelium ist immer Zumutung und Zuspruch zugleich.

Schorndorf, den 20.2.2005 – Die Teilnehmenden der Jahrestagung 2005 von Netzwerk Ökumene

Backnang, den 27.2.2005 – Der Leitunskreis von Netzwerk Ökumene