ERKLÄRUNG: Ehescheidung beim Abendmahl beenden!

Erklärung anlässlich des Briefs von sieben Bischöfen gegen die gemeinsame Teilnahme am Abendmahl
 
Unverständnis und Fassungslosigkeit löst für Netzwerk Ökumene der Brief von sieben römisch-katholischen Bischöfen aus, die eine gemeinsame Teilnahme konfessionsverbindender Paare am Abendmahl weiterhin verhindern wollen.

Nach generationenlangem Warten wurde Ende Februar diesen Jahres durch die Deutsche Bischofskonferenz (DBK) eine Regelung angekündigt, nach der interkonfessionelle Paare zumindest in Einzelfällen gemeinsam zur Eucharistie gehen können. Da die Handreichung noch nicht veröffentlicht wurde, hatten wir diese noch nicht bewertet. Auch wenn die pastorale Praxis in sehr vielen Gemeinden eine solche begrenzte Abendmahlsgemeinschaft ermöglicht, könnte mit einer solchen Regelung Klarheit geschaffen werden, die zumindest bislang zögernden evangelischen Partnern eine Gemeinschaft am Tisch des Herrn ermöglichen könnte.
 
Wir bedauern, dass rückwärtsgewandte Bischöfe selbst diese zarte Pflanze der verabschiedeten Handreichung ablehnen und Unterstützung beim Vatikan suchen und die Veröffentlichung der Handreichung somit weiter hinauszögern. Wir sehen darin auch eine Fortführung innerkatholischer Grabenkämpfe auf dem Rücken von Paaren mit verschiedenen Konfessionen und zumindest den Versuch, eine kurz vor dem Abschluss stehende bundesweite Regelung zu verzögern oder zu verhindern. Angesichts des den betroffenen Paaren und Familien in Vergangenheit und Gegenwart zugefügten Leids ist dieser destruktive und polarisierende Machtkampf innerhalb der DBK mit Blick auf die Gläubigen inakzeptabel.
 
• Wir vertrauen darauf, dass die von Rom mittlerweile vorgelebte Praxis, den Bischofskonferenzen Raum für pastorale Lösungen in ihrem Verantwortungsbereich einzuräumen, auch bei diesem Thema  zum Tragen kommt.
• Wir danken den Bischöfen, die der Handreichung zugestimmt haben und ermutigen sie, diesen zusätzlichen Freiraum schon jetzt selbstbewusst in ihrem Bistum zu ermöglichen oder andere eigene Lösungen zu finden, die konfessionsverbindenden Paaren die gemeinsame Teilnahme am Abendmahl erleichtern. Wir bitten sie, weiterhin, auf eine Ausweitung dieser Möglichkeit im Bereich der gesamten DBK einzuwirken.
• Konfessionsverbindende Paare in allen Bistümern ermutigen wir, sich nicht von Unstimmigkeiten verunsichern zu lassen, sondern ihren Weg weiter zu gehen und dort ihren Ort zu finden, wo sie als Christen ohne Einschränkung willkommen sind. Wo die christliche Ehe am Tisch des Herrn geschieden wird, leben Gemeinden und Konfessionen entgegen dem Auftrag zur Einheit und zeigen, dass der Partner der anderen Konfession nur bedingt willkommen ist.
• Die evangelischen Landes- und Freikirchen bitten wir zugleich, diesem Ziel wachsender Gemeinschaft am Tisch des Herrn durch einen würdevollen Umgang mit dem Abendmahl entgegenzukommen.
All dies kann dazu beitragen, dass konfessionsverschiedene Paare in Zukunft nicht mehr am Tisch des Herrn getrennt werden.
 
Hintergründe
Nach teilweise bitterem Leid über Generationen erwarten wir von den christlichen Konfessionen, dass Verhältnisse geschaffen werden, die konfessionsverbindenden Paaren endlich diese Gemeinschaft ermöglichen. Denn nicht die interkonfessionelle Ehe ist das Problem, sondern die Spaltung der Christen. Solange sich sonntags die Frage stellt, in den Gottesdienst welcher Konfession oder Denomination gehen wir heute, wird eine Einheit der Christen im Sinn des Neuen Testaments nicht genügend sichtbar. Besonders gravierend wird diese Frage, sobald christliche Ehen am Tisch des Herrn getrennt werden. Ein Teil dieser Schwierigkeiten gehen im Übrigen von einer problematischen Übersetzung des lateinisch verfassten katholischen Kirchenrechts aus. Der Begriff "gravis spiritualis necessitas" wird mit „schwerer geistlicher Notlage“ übersetzt. Eine Übersetzung mit „Notwendigkeit“ oder „Bedürfnis“ ist aber möglich, naheliegender und zielführend. Denn es geht nicht um Beliebigkeit, sondern um die Notwendigkeit der Einheit.
Kirchenrechtlich argumentierende Bischöfe übersehen zudem, dass auch in einer kirchlich geschlossenen Ehe mit Partnern aus zwei christlichen Konfessionen diese durch ein doppeltes sakramentales Band verbunden sind: durch die gegenseitig anerkannte Taufe und durch das Sakrament der Ehe. So wie die Kirche als ganzes aus dem Sakrament der Eucharistie lebt, lebt auch die Hauskirche in der Ehe aus den Sakramenten. Der Ausschluss eines Ehepartners vom Abendmahl spaltet Hauskirche, also die geistliche Gemeinschaft der Eheleute untereinander und mit ihren Kindern. Sie schadet der Familie und ist eine Form aktiver Kirchenspaltung, schädigt also die Kirche.
Das haben wir bei verschiedenen Treffen mit katholischen Bischöfen in den letzten Jahren und bei ihren Besuchen auf Jahrestagungen, bei Podiumsveranstaltungen und bei anderen Dialogen immer wieder betont. Diejenigen Bischöfe, die mit uns im Gespräch waren, haben dieses Anliegen sehr positiv wahrgenommen.
 
Netzwerk Ökumene
„Netzwerk Ökumene - konfessionsverbindende Paare und Familien in Deutschland“ wurde am 30. Oktober 1999, am Vortag der Unterzeichnung der "Gemeinsamen Erklärung zur Rechtfertigungslehre" in Augsburg gegründet. Es folgte damit dem Vorbild vergleichbarer Gemeinschaften in anderen Ländern, wo es ähnliche, mit uns verbundene Gemeinschaften wesentlich länger gibt. Das Netzwerk ist eine bundesweit aktive Gemeinschaft von Christen verschiedener Konfessionen, die in konfessionsverbindenden Ehen Wegbereiter der "versöhnten Verschiedenheit unter einem gemeinsamen Dach" sehen. Auch Altkatholiken und Angehörige verschiedener Freikirchen, beispielsweise Methodisten, gehören zum Netzwerk. Im Fokus stehen Paare, die bewusst Angehörige verschiedener Konfessionen sind und mit diesem Ausgangspunkt den Auftrag des Neuen Testaments zur Einheit der Christen ernst nehmen.
Netzwerk Ökumene arbeitet als geschwisterliche Gemeinschaft vollständig ehrenamtlich mit einem Minimum an Struktur und vielfältigen Begegnungen und Kontakten. Organisatorischer Träger ist die AÖK, die Arbeitsgemeinschaft Ökumenischer Kreise e.V. Eine Mitgliedschaft gibt es deshalb nicht, über 500 Interessenten werden regelmäßig angesprochen und informiert. Die Leitung hat ein 9-köpfiger Leitungskreis, den ein bundesweites Netz von Ansprechpartnern unterstützt. Die gesamte Arbeit erfolgt ehrenamtlich. Zu uns gehören junge Familien ebenso wie ältere Paare oder Senioren. Ein Kinder- und Jugendprogramm ist deshalb Teil von unseren Tagungen.